Von der Automatisierung zur Autonomie

KI mit Eigeninitiative: Wie Agentic AI Unternehmen verändert

Norderstedt, 5. November 2025 - Künstliche Intelligenz (KI) lernt, selbstständig zu handeln. Mit Agentic AI reagieren Maschinen nicht mehr nur, sondern planen, entscheiden und handeln. Für Unternehmen markiert das einen Wendepunkt: Statt Prozesse nur zu automatisieren, können sie Aufgaben intelligent orchestrieren lassen. Julian Staub, Business Director Intelligent Process Automation bei Lufthansa Industry Solutions (LHIND), erläutert im Gespräch, warum dieser Umbruch genau jetzt stattfindet, wo der größte Nutzen liegt und wie man als Unternehmen den Einstieg meistert.

Wie unterscheidet sich Agentic AI von herkömmlicher KI oder bestehenden Automatisierungstools?

Agentic AI steht für eine neue Generation von KI-Systemen, die selbstständig planen, Entscheidungen treffen und handeln können. Im Gegensatz zu klassischen, regelbasierten Automatisierungslösungen, die lediglich auf Befehle reagieren, kombinieren agentische Systeme große Sprachmodelle mit Prozessautomatisierung. Das erlaubt ihnen, Datenbanken zu durchsuchen, Entscheidungen innerhalb definierter Grenzen zu treffen und Aufgaben eigenständig auszuführen – fast wie ein digitaler Kollege.

Kannst du ein einfaches Beispiel nennen, wie ein solcher KI-Agent in der Praxis funktioniert?

Ein gutes Beispiel ist ein KI-Reiseassistent. Wenn ein Kunde seinen Flug umbuchen möchte, identifiziert ihn die KI über den Buchungscode, ruft die Reisedaten ab, prüft verfügbare Alternativen und schlägt passende Optionen vor. Der gesamte Prozess läuft automatisch, vom ersten Klick bis zur neuen Buchungsbestätigung.

Warum sollten Unternehmen sich gerade jetzt mit Agentic AI beschäftigen?

Agentic AI ist keine Zukunftsmusik mehr, sie ist marktreif. Möglich wurde das durch den gleichzeitigen Fortschritt bei großen Sprachmodellen, Schnittstellen und der zunehmenden Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Unternehmen, die jetzt einsteigen, können komplexe Aufgaben automatisieren, Mitarbeiter von Routine entlasten und sich dadurch Wettbewerbsvorteile sichern, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Überall dort, wo Prozesse standardisiert, aber entscheidungsintensiv sind, lohnt sich der Einsatz von Agentic AI.

Julian Staub
Business Director Intelligent Process Automation bei Lufthansa Industry Solutions

Welche Branchen oder Unternehmensbereiche profitieren kurzfristig am meisten?

Besonders dort, wo Routine dominiert und Geschwindigkeit zählt, zeigt Agentic AI sofort Wirkung: im Kundenservice etwa, wo Buchungen, Stornierungen oder Anfragen automatisiert bearbeitet werden, im Personalwesen bei Onboarding-Prozessen oder in der IT bei Code-Generierung und Bugfixing. Auch in der Logistik und im Supply Chain Management werden agentische Systeme zu einem entscheidenden Effizienzfaktor. Kurz: Überall dort, wo Prozesse standardisiert, aber entscheidungsintensiv sind, lohnt sich der Einsatz.

Was hat LHIND dazu motiviert, sich mit Agentic AI zu beschäftigen?

Der Anstoß kam aus konkreten operativen Herausforderungen. Wir wollten Prozesse beschleunigen und die Reaktionszeiten verbessern, indem Routineaufgaben automatisiert werden. Agentic AI ist dabei nicht nur ein weiteres Tool, sondern ein strategischer Baustein unserer digitalen Transformation – für uns selbst und unsere Kunden.

Hat LHIND bereits Projekte umgesetzt?

Ja, gemeinsam mit Partnern wie Cognigy haben wir agentische Systeme in der Praxis eingeführt – etwa in Chatbots für den Kundenservice, in automatisierten Mail-to-Booking-Prozessen oder bei der Nachbestellung in Lieferketten. Die Resultate sind klar messbar: höhere Effizienz, schnellere Abläufe und weniger manuelle Eingriffe. Standardisierte Aufgaben lassen sich heute deutlich smarter lösen.

Agentic AI ersetzt keine Menschen, sie verändert, wie wir gemeinsam mit Maschinen arbeiten.

Julian Staub

Wie sollten Unternehmen den Einstieg angehen?

Der Weg beginnt mit Wissen und Struktur. Unternehmen sollten ihre Teams zunächst für die Möglichkeiten und Grenzen von generativer und agentischer KI sensibilisieren und sicherstellen, dass ihre Prozesse digital, transparent und datenbasiert abgebildet sind. Ebenso wichtig ist ein klarer Governance-Rahmen – also wer Zugriff hat, wer entscheidet und wann der Mensch eingreift. Danach gilt, gezielt zu starten, statt lange zu planen. Kleine, messbare Pilotprojekte liefern schnelle Lernerfolge und schaffen Akzeptanz im Unternehmen.

Wo siehst du Agentic AI in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Agentic AI wird in den kommenden Jahren zum Standard – eingebettet in fast jede Unternehmensfunktion, vom Finanzwesen über Marketing bis zur IT. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine wird natürlicher, hilfreicher und intuitiver. In ein paar Jahren werden wir auf viele heutige Workflows zurückblicken und uns fragen, warum wir sie so lange manuell erledigt haben. Agentic AI ersetzt keine Menschen, sie verändert, wie wir gemeinsam mit Maschinen arbeiten.

Über Lufthansa Industry Solutions

Lufthansa Industry Solutions ist ein Dienstleistungsunternehmen für IT-Beratung und Systemintegration. Die Lufthansa-Tochter unterstützt ihre Kunden bei der digitalen Transformation ihrer Unternehmen. Die Kundenbasis umfasst sowohl Gesellschaften innerhalb des Lufthansa Konzerns als auch mehr als 300 Unternehmen in unterschiedlichen Branchen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Norderstedt beschäftigt über 3.000 Mitarbeitende an mehreren Niederlassungen in Deutschland, Albanien, der Schweiz und den USA.