„Ich bringe die Daten vom Himmel in die SAP Cloud“
– SAP Solution Architect Helge Hackbarth im Gespräch

Was die SAP Cloud Platform mit fliegenden Robotern und der maschinellen Inspektion von Windrädern zu tun hat, erklärt SAP Solution Architect Helge Hackbarth im Interview.

Herr Hackbarth, Sie sind als Spezialist für die SAP Cloud Platform zurzeit in das Projekt „Automatisierte Inspektion für Offshore-Windparks“ involviert. Worum geht es dabei?

Wir wollen die maschinelle Inspektion der Windräder eines Offshore-Windparks mithilfe von Drohnen vollständig automatisieren. Die Drohnen fliegen zu den Windkraftanlagen, machen Nahaufnahmen der Rotorblätter, kehren zum Startpunkt zurück und liefern die gesammelten Daten ab. Das läuft alles vollautomatisiert über ein intelligentes Zusammenspiel aus Drohne und Kontrollstation ab. Der Mensch gibt nur noch den Befehl, welches Windrad die Drohne anfliegen soll, und überwacht die Mission auf einem Dashboard, wobei natürlich jederzeit ein manueller Eingriff möglich bleibt. Die zentrale Steuerung der Drohne läuft über die SAP Cloud Platform, in der wir einen digitalen Zwilling der Drohne mit all ihren technischen Eigenschaften abbilden.

Eine Drohnenmission klingt aufwendig. Was sind die Anforderungen an die Drohne, damit die Mission erfolgreich ist? 

Weil die Drohnen quasi im Alleinflug sehr nahe an den Rotorblättern unterwegs sind, müssen sie auf den Zentimeter genau positioniert werden können. Auch, weil die Fotos absolut scharf und von hoher Auflösung sein müssen, damit die KI sie korrekt analysieren kann. Außerdem sollten die Drohnen natürlich eine gewisse Seewetterfestigkeit mitbringen, da sie weit vor der Küste unterwegs sind.

So weit, so gut. Wie geht es nach diesem technischen Fotoshooting weiter – wie werten die Drohnen das Bildmaterial aus?

Die Drohnen an sich nehmen die Auswertung nicht vor. Pro Flug machen sie rund 2.000 Aufnahmen und übermitteln diese nach ihrer Rückkehr an die SAP Cloud. Die dort implementierte und anhand vieler Bilder trainierte KI analysiert die Bilder und klassifiziert sie nach der Art des Schadens, beispielsweise nach Erosion oder Rissen sowie deren Größen. Bei weitergehenden Datenauswertungen spielt die SAP Cloud Platform eine wichtige Rolle, weil sie mittels der In-Memory-Datenbank SAP HANA Echtzeitanalysen ermöglicht. Anschließend erstellt die KI einen Schadensbericht inklusive aller wichtigen Informationen über die Position eines Schadens sowie der zugehörigen Fotos. Die finale Entscheidung, ob eine Reparatur notwendig ist, fällt dann der Mensch.

Das hört sich sehr komplex an. Wie viele Menschen bereiten dieses Projekt vor, damit nachher in der Praxis alles reibungslos läuft?

Aktuell sind wir zu dritt. Ein Kollege koordiniert das Projekt und kümmert sich um die Kommunikation mit dem Kunden. Ich stelle sicher, dass die gesamte Technik den Anforderungen entspricht, und bin verantwortlich für die Automatisierung der Mission – also dafür, wie die Bilder generiert werden und dass die Daten sicher in die Cloud gelangen. Der Dritte im Bunde ist Experte für maschinelle Bildauswertung. Er sorgt dafür, dass die KI in der SAP Cloud die Fotos korrekt analysiert.

„Die SAP Cloud Platform ermöglicht mittels der In-Memory-Datenbank SAP HANA eine Echtzeitanalyse der Daten.“

Helge Hackbarth, SAP Solution Architect

Die KI scheint ein wichtiger Teil der Gesamtlösung zu sein. Was macht sie bei der Bildauswertung besser als der Mensch?

Bei der Erfassung und Analyse von Bildern ist der Mensch von einer KI zunächst nicht so schnell zu schlagen. Aktuell braucht die KI eine Vielzahl an Beispielen, um etwas eigenständig erkennen zu können. Auch der Mensch braucht natürlich eine Lernphase, aber er ist derzeit noch besser darin, Gegenstände auch in einem ungewohnten Kontext zu erkennen.

Die Stärke der KI liegt darin, Bilder in einem klar definierten Kontext auszuwerten, wie beispielsweise bei dem Projekt mit den Windkraftanlagen. Bevor die Drohne produktive Missionen startet, trainieren wir die KI mit einer großen Menge an Fotos, die zuvor bereits mit Prototypen der Drohne an Windrädern gesammelt und durch Menschen klassifiziert wurden. So bringen wir ihr bei, Schäden zu erkennen. Der klare Vorteil einer KI: Sie ermüdet nicht, selbst wenn es um Zigtausende Bilder geht – der Mensch hingegen schon. Die Einsatzmöglichkeiten von KI weiten sich immer mehr aus. Meiner Meinung nach stehen wir erst am Anfang dessen, was künftig alles mit KI möglich sein wird.

SAP Intelligent Enterprise Technology Consultant / Developer (m/w/divers)

Als SAP Intelligent Enterprise Technology Consultant / Developer (m/w/divers) beraten Sie unsere Kunden umfänglich über die Nutzung neuartiger Technologien (wie KI, IoT, Analytics oder Blockchain) im SAP-Umfeld. Dabei setzen Sie Ihre Kenntnisse in modernen IT-Architekturen ein, um aus einer Kombination von Standardservices und Individualentwicklung optimale Lösungen für unsere Kunden zu schaffen.

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Neben der KI ist die Cloud eine wichtige Komponente des Projekts. Warum setzt Lufthansa Industry Solutions bei der Auswertung der Fotos auf die SAP Cloud Platform?

Der baden-württembergische Softwarehersteller nimmt Datensicherheit sehr ernst und garantiert einen Datenschutz nach europäischen Richtlinien. Die SAP Cloud Platform ist zudem nicht einfach nur eine Entwicklungsplattform, wie man sie auch bei anderen Anbietern bekäme. Sondern sie differenziert sich durch eine Vielzahl an zusätzlichen technischen und Business-Services, durch ein Programmiermodell, das bereits sinnvolle Guidelines bereitstellt, sowie durch einfache Integrationsmöglichkeiten zu Backend-Systemen, insbesondere natürlich an einen Digital Core wie S/4HANA. Lufthansa Industry Solutions und SAP verbindet eine starke Partnerschaft. Durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit verfügen wir über zahlreiche gute Kontakte bei SAP. Außerdem sind wir mit dem Drohnenprojekt Teil des globalen Netzwerks SAP Co-Innovation Lab, das innovative Ideen fördert. Hierfür stellt SAP seine eigene Expertise zur Verfügung und wir haben einen direkten Draht zu deren hauseigener Entwicklungsabteilung. 

Noch mal zurück zu den Drohnen. Haben Sie sich bereits vor dem Projekt mit den unbemannten Flugobjekten befasst oder ist das für Sie ganz neues Terrain?

Meine Leidenschaft für Fluggeräte ist schon in der Kindheit entstanden. Als Jugendlicher habe ich erste Flugmodelle gebaut. In den letzten Jahren sind Drohnen technisch sehr leistungsfähig geworden und als „Maker“ kann ich sie nahezu beliebig nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten. Auch die Software entwickele ich in weiten Teilen selbst, um die Drohne und ihre Payload, also ihre Nutzdaten, auf spezifische Anwendungsfälle anzupassen. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass Drohnen zunehmend auch Teil meines Berufsalltags werden.

Zur Person

Helge Hackbarth ist als SAP Solution Architect bei Lufthansa Industry Solutions am Standort Hamburg tätig. Nach einem Diplomstudium der Wirtschaftsmathematik sammelte er zunächst SAP-Erfahrung bei einer Unternehmensberatung und wechselte 1997 zur Lufthansa Gruppe.